Sammelleidenschaft in Liechtenstein

Was fasziniert Menschen am Sammeln kunstvoller oder alltäglicher Gegenstände? 

 

Das Sammeln ist eine dem Menschen nahezu genetisch eingeschriebene Kulturtechnik. Diente es zunächst nur dem Überleben, stellte sich schnell Gefallen am Sammeln schöner, seltener und kostbarer «zweckfreier» Dinge ein. Vielfach wurde das Bedürfnis, Ordnung in das Chaos der Erscheinungen zu bringen, als Motiv des Sammelns benannt. Der Philosoph Odo Marquard kategorisiert das menschliche Sammeln als vorsorgendes, als entdeckendes und als bewahrendes Sammeln.  

 

Sammlungen von wertvollen Fundstücken aus der Natur standen am Anfang. Bereits im Mittelalter entstanden Panoptika – Sammlungen von Kuriositäten und Artefakten. In der Renaissance trugen Fürsten und wohlhabende Bürger seltene oder wertvolle Dinge in Wunder- oder Kunstkammern zusammen und legten im «Zeitalter des Staunens» die Grundlage für die Museumsgeschichte, die spätestens im 18. Jahrhundert ihren Beginn nimmt. So wurden Dinge zusammengetragen, die von weit her kamen, dem Besitzer Vergnügen bereiteten, Wissen vermittelten, Macht und Prestige verliehen. 

 

Was auch immer heute den geistigen, philosophischen oder emotionalen Hintergrund von Sammelleidenschaft bildet, es scheint doch bereits im Begriff selbst die Dichotomie dieser Kulturtechnik beinhaltet, die sowohl von Freude als auch von Leid erzählt. So geht es neben einer unstillbaren «Jagdlust» nach immer wieder neuen Objekten oftmals auch um die Frage, welche Anstrengungen Sammler und Sammlerinnen unternehmen, um ihre geliebten Sammelstücke zu erhalten und für die Zukunft zu sichern. 

 

 

Bildnachweis: Apfelblütenei, © Liechtensteinisches Landesmuseum, Foto: © Heinz Preute